Ansicht Großes Haus um 1500 (c) Stadt Aachen/Andreas Herrmann

Spektakuläre Baustellenfunde
Wie das Große Haus vor 600 Jahren aussah

Da staunte Engelbert Chaumet nicht schlecht, als er die Zwischenwände des „Großen Hauses von Aachen“ sah, nachdem der Putz entfernt worden war: Riesige Torbogen kamen zum Vorschein. Die erste Etage des Gebäudes in der Pontstraße 13, das im Auftrag des Gebäudemanagements für das Internationale Zeitungsmuseum gerade saniert wird, muss zu Beginn der Neuzeit für damalige Verhältnisse äußerst großzügig und luxuriös gestaltet worden sein. „Die Rundbögen sind vermutlich um 1500 errichtet worden“, schätzt Chaumet, der im Gebäudemanagement für die Bauunterhaltung von städtischen Gebäuden und Objekten zuständig ist - zumal um diese Zeit die meisten Häuser aus Holz gebaut worden sind, das Große Haus in der Pontstraße jedoch aus Stein. Diese Bauweise habe sich erst nach dem großen Stadtbrand von 1656 durchgesetzt, nachdem die meisten Holzhäuser ein Opfer der Flammen wurden, erläutert Monika Krücken, Leiterin der Denkmalpflege der Stadt Aachen. Das „Große Haus“ hingegen überstand die Brandkatastrophe vergleichsweise unbeschadet.

„Bei den Renovierungsarbeiten sind wir in diesem Gebäude auf viel Geschichte gestoßen, haben interessante Einblicke gewonnen in die Sozialgeschichte Aachens“, sagte Planungs- und Umweltdezernentin Gisela Nacken anlässlich eines Pressegespräches am 10 Juni. Denn das „Große Haus“ ist eng mit der Metallindustrie der Kaiserstadt verbunden, die damals, zum Ende des 15. Jahrhunderts, in voller Blüte stand.

Der Schöffe Heinrich Dollart, der 1497 das nach ihm benannte Stolberger Reitwerk Dollartshammer, eine aus Hochofen und Schmiede bestehende Produktionsstätte, übernahm, erwarb dieses Haus um diese Zeit und baute es um. „Ein Haus aus Stein zu besitzen war ein Zeichen von Wohlstand und Reichtum“, meint Monika Krücken.

Das Leben des Unternehmers Dollart endete allerdings tragisch: Er wurde im Jahr 1508 hingerichtet, weil er von einem seiner Knechte der Mittäterschaft an einem Diebstahl von Silberbarren beschuldigt wurde. Man vermutet, dass nach seinem Tod die Rundbögen der ersten Etage zugemauert worden sind.

Von einem Holzbalken des Dachstuhls wurde eine sogenannte dendrochronologische Untersuchung durchgeführt. Sie datiert das Alter der Errichtung auf das Jahr 1660, somit einige Jahre nach dem Stadtbrand. 

„Dass wir so viele historische Erkenntnisse anlässlich des Umbaus gewinnen, ist dem glücklichen Umstand zu verdanken, dass an der Sanierung Leute mitarbeiten, die einen großen historischen Sachverstand besitzen“, so Michael Ferber, technischer Leiter des Gebäudemanagements, heute auf der Pressekonferenz. Mit zeitlichen Verzögerungen sei durch die historischen Untersuchungen nicht zu rechnen. „Allenfalls beim Einbau eines Fahrstuhls müssen wir abwarten, was die Archäologie für Ergebnisse liefert.“

Über einem heute vermauerten Türbogen an der Nordseite der Durchfahrt ist eine Inschrift angebracht, die in gotischen Minuskeln (Kleinbuchstaben) auf den ehemaligen Bauherrn des Umbaus „h heinrich dolhart“ mit der Jahreszahl 1495 verweist. Ihre Echtheit wurde indes bezweifelt, wohl auch bedingt durch einen Versatz des Schriftzuges und zahlreiche Beschädigungen und Ausflickungen am Bogen. Während es als sicher gilt, dass die beiden Untergeschosse in dieser Zeit entstanden sind, glaubt man das 2. Obergeschoss aufgrund des Rundbogenfrieses sowie den Anbau in die Zeit der Frührenaissance (16. Jahrhundert) einordnen zu können.

zur Geschichte des Großen Hauses

 

2011 neu eröffnet

Internationales Zeitungsmuseum
Pontstraße 13, 52062 Aachen
Telefon: + 49 (0)241 432 4910
Fax: + 49 (0)241 4 90 65 6
Mail: izm@mail.aachen.de

geöffnet:
Di-So 10-18 Uhr, Montag geschlossen
Eintritt: 5 € / erm. 3 €, Familienkarte 10 €
Öffentliche Führung jeweils sonntags um 14 Uhr

www.izm.de

 

"Wir sind Charlemagne

Neue Zürcher Zeitung | 09 Jul 2010

+++ Wenn im Jahr 2013 die Um- und Neubauten der rund zehn Stationen zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten abgeschlossen sein werden, hat man mindestens 35 Millionen Euro dafür ausgegeben. Für einen, wie es aussieht, allerdings wirklich glänzend aufbereiteten Parcours, der aus einem modernen Informationszentrum, mehreren eigens erarbeiteten Dauerausstellungen und vor allem der strukturellen Einbeziehung bedeutender historischer Schauplätze und Bauwerke wie des «Grashauses» oder des «Hauses Löwenstein» besteht. Und der vor allem dem uneingeweihten Besucher das karolingische Aachen sichtbar und die historischen Tiefendimensionen der Herrschaftszeit Karls des Grossen überschaubar macht. Man wird sich, den technisch innovativen Audio-Führer «Aixplorer» als alleswissenden, selbständig navigierenden Cicerone am Ohr, gleichsam wie ein Zeitreisender durch die Kaiserstadt bewegen können. +++
[Manfred Schwarz im Magazin Reisen-Freizeit]

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