Hat der berühmte niederländische Meister Jan van Eyck Aachener Keramikkünstlern Pate gestanden? Hat Gutenberg einen Mosaikstein zur Erfindung des Buchdrucks in Aachen kennen gelernt? Die Objekte, um die sich diese Frage dreht, sind seit dem 21. Juli in Rahmen der Ausstellungsreihe „Zeitsprünge im Haus Löwenstein“ zu sehen.
Bei Grabungen an der Prinzenhofstraße entdeckte die Aachener Stadtarchäologie die Abwurfgrube einer Keramikwerkstatt mit Fragmenten von Reliefs und Figuren aus der Zeit um 1430 bis 1450. Aachen war zu diesem Zeitpunkt eine wirtschaftlich florierende Stadt, zu deren Erzeugnissen neben Tuchen und Metallwaren auch künstlerisch hochwertige Keramiken gehörten. Ein Ort dem New York des 19. Jahrhunderts vergleichbar, so der Kommentar des Archäologen Wolfram Giertz. Die Keramiken des "Meltingpoints" Aachen seien sofort als Verkaufsschlager in den Fernhandel gegangen. Hier sei der Grundstein des Renaissance-Steinzeugs gelegt worden. Gerald Volker Grimm vom Kunsthistorischen Institut der Uni Bonn legte bei der Pressevorstellung der Ausstellung gleich noch einen Superlativ drauf: Er bezeichnete die Qualität der Keramikfunde an der Aachener Prinzenhofstraße als hervorragend. Zudem habe es erstmals überhaupt eine derart schnelle und sorgfältige Dokumentation solcher Keramiken aus archäologischen Grabungen gegeben.
Stilistisch entsprechen die gefundenen Objekte den Werken Jan van Eyck. Dies gilt insbesondere für die Reste von Reliefs, die die Legende von der Heiligen Ursula und ihren Gefährtinnen darstellen. Rein geografisch gesehen, könnten sich die so genannten „Bilderbäcker“ und der Niederländer sogar gekannt haben, denn van Eyck stammt aus Maaseik in der Nähe Aachens und starb 1441 in Brügge.
Und noch eine möglicherweise bahnbrechende Entdeckung machten die beiden Spezialisten: Ein Tonfragment überrascht mit mehrmals wiederkehrenden identischen Buchstaben, die mittels beweglicher Letterpunzen in den Model gepresst worden sein müssen - und zwar bevor Gutenberg mit seinem Buchdruck bekannt wurde. Möglicherweise trugen Aachener Künstler also auch noch dazu bei, dass Johannes Gutenberg um 1448 den Buchdruck mit beweglichen Lettern erfinden konnte.
„Manchmal entsteht der Eindruck, dass nach solchen archäologischen Funden Geschichte neu geschrieben werden muss“, so Kulturdezernent Wolfgang Rombey zu den bemerkenswerten Funden.
Die Ausstellung unter dem Titel „Bilderbäcker“ ist bis zum 31. Oktober 2011 täglich von 10-13 und 14-18 Uhr im Haus Löwenstein, Markt 39, Aachen, zu besichtigen. Der Eintritt ist frei.
Internationales Zeitungsmuseum
Pontstraße 13, 52062 Aachen
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Mail: izm@mail.aachen.de
geöffnet:
Di-So 10-18 Uhr, Montag geschlossen
Eintritt: 5 € / erm. 3 €, Familienkarte 10 €
Öffentliche Führung jeweils sonntags um 14 Uhr

+++ Wenn im Jahr 2013 die Um- und Neubauten der rund zehn Stationen zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten abgeschlossen sein werden, hat man mindestens 35 Millionen Euro dafür ausgegeben. Für einen, wie es aussieht, allerdings wirklich glänzend aufbereiteten Parcours, der aus einem modernen Informationszentrum, mehreren eigens erarbeiteten Dauerausstellungen und vor allem der strukturellen Einbeziehung bedeutender historischer Schauplätze und Bauwerke wie des «Grashauses» oder des «Hauses Löwenstein» besteht. Und der vor allem dem uneingeweihten Besucher das karolingische Aachen sichtbar und die historischen Tiefendimensionen der Herrschaftszeit Karls des Grossen überschaubar macht. Man wird sich, den technisch innovativen Audio-Führer «Aixplorer» als alleswissenden, selbständig navigierenden Cicerone am Ohr, gleichsam wie ein Zeitreisender durch die Kaiserstadt bewegen können. +++
[Manfred Schwarz im Magazin Reisen-Freizeit]
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